Gedankenlos




January 11, 2009 von thomas, 1006 Wörter
Original veröffentlicht 24. Dezember 2008
Er fand sich in einem riesigen Raum stehen, unfähig sich zu erinnern wo er war oder wer er war. Sein Kopf fühlte sich leer an und er konnte keinen klaren Gedanken fassen, fast so, als wäre sein Denken von etwas blockiert worden. Er blickte sich um und fühlte sich von einem nervigen, lautstarken Geräusch gestört, dessen Tonhöhe kontinuierlich auf- und abstieg, im Rythmus einer roten Blitzlampe, an der Wand vor ihm. Verwirrt und orientierungslos betrachtete er die Wände, die aus einem mattglänzenden Metall zu bestehen schienen. Der Boden und die Decke waren flach, doch die anderen zwei Wände verjüngten sich vor ihm und an der schmalsten Stelle, in einer Entfernung von ca. 10 Metern, konnte er eine kleinen Öffnung in der Wand sehen, aus der ein schwaches, glühendes Licht trat. Benommen drehte er sich um und betrachtete die andere Seite des Raums, der in einem undurchsichten Nichts endete. Eine Scharfe Kante am Boden, an der Decke und an den Wänden trennte das metallische Grau vom absoluten Schwarz. Vom Schwarz angezogen, taumelte er in dessen Richtung, bis er direkt davor stand und es seine ganze Sicht einnahm. Ein unterschwelliges Gefühl riet ihm nicht das Schwarz zu berühren - unter keinen Umständen! Doch er ignorierte das Gefühl und tastete danach. Es war keine Wand aus Metall oder einem anderen Material, an das er sich erinnern konnte. Er drückte mit seiner Hand etwas stärker in die gummiartige Fläche, bis er merkte, dass die Masse nachgab und er hindurchzugleiten schien. Plötzlich spürte er Kälte und einen stechenden Schmerz, der ihn fast ohnmächtig werden lies. Ein gellender Schrei entfuhr ihm, der alles andere übertönte und instinktiv zog er die Hand aus dem Schwarz und starrte verwirrt auf seine Hand, die er nicht mehr bewegen konnte. Unbeweglich, hart wie Glas, so kalt wie Eis, ein- und abgefroren … Er starrte seine Hand an, die völlig die Farbe verloren hatte und seltsam vertrocknet aussah, unfähig zu erkennen, was passiert war. Von Schmerzen und Instinkten getrieben, taumelte er vom Schwarz weg, das sich eindeutig als gefährlich und bösartig herausgestellt hatte. Weiter weg und in Richtung des glühenden Lichts, das eine Wärme ausstrahlte, während er weiter schrie und seinen Arm hielt. Es waren ein paar Meter, die er so zurücklegen musste, was ihm immer schwerer fiel, je näher er an die glühende Öffnung kam. Ihm wehte eine Art Wind entgegen, der ihn aufhalten wollte, als wollte er sagen:“Stop, komm nicht näher“. Die Warnung ignorierend, stemmte er sich gegen den Wind und näherte sich, bis er auf seiner Haut Stiche spürte, die ihn anfangs nur störten, jetzt aber richtig zu schmerzen begannen. Er blickte auf sie und bemerkte, dass diese stark gerötet war und sich etwas wellte. Mit dem Zeigefinger der anderen Hand strich er verwirrt über seine Haut und stellte fest, dass sie sich abstreifen ließ. Nacktes Fleisch kam zum Vorschein und an anderen Stellen konnte er sogar weißen Knochen sehen. Einen scheinbar endlos dauernden Moment später, warf er sich an die Wand. Nur weg vom Zentrum der glühenden Lichtquelle, die ihm irgendwie die Haut und das Fleisch zersetzte, während auch sein Blick leicht trüb wurde. Noch einen Moment länger und er wäre erblindet. Vor Schmerzen gekrümmt, lag er schreiend an der Wand und war nicht mehr fähig aufzustehen. Sein Gehirn immer noch leer und gedankenlos, als sich plötzlich ein Spalt in der gegenübergelegenen Wand öffnete, durch den ein grelles Licht fiel. Schmerzverzerrt nahm er nur am Rande wahr, was sich dort abspielte, bis Gestalten durch das Licht traten und seine Aufmerksamkeit erregten. Massive Gestalten, ganz in Weiß, stampften mit lauten, metallischen Schritten in seine Richtung und jagten ihm eine Angst ein. Er versuchte sich zu verstecken und krümmte sich zusammen, in der Hoffnung, sie würden ihn nicht sehen, doch es war schon zu spät und sie kamen genau auf ihn zu. Mit all seinen verbliebenen Kräften versuchte er ihnen Gegenwehr zu leisten, aber Widerstand war sinnlos. Sie waren einfach viel stärker und sie waren zu viele. Sie packten ihn an die Arme und schleppten ihn, trotz heftiger Gegenwehr, durch den Spalt, in das helle blendende Licht. Auf der anderen Seite, ganz plötzlich, verlor er das Bewusstsein …
„Hey Jamie, bist du wach?“, hört er aus der Ferne. „Jamie, wach auf!“.
Benommen öffnete er seine Augen und befand sich auf der Krankenstation.
„Weißt du wo du bist?“, fragte die Stimme wieder, die Jamie jetzt als Joanna identifizieren konnte.
„Hmm … auf der Krankenstation …“, hörte sich Jamie sagen, immer noch benommen von der Narkose und den Schmerzmitteln.
„Ja, aber auf welcher Krankenstation? Wie heißt das Raumschiff?“, fragte Joanna, die sich um den Zustand seines Gehirns sorgen machte.
„Hmm … Ja … Die Marquee 2 …“, kam es schwach aus Jamie’s Mund.
Gott sei dank, hat sein Gehirn keinen größeren Schaden genommen, dachte Joanna.
„Was ist passiert?“, flüsterte Jamie, einer weiteren Ohnmacht nah.
„Wir haben uns schon gedacht, dass du dich nicht erinnern können wirst. Du wurdest bei Wartungsarbeiten vom hochfahrenden Ionentriebwerk überrascht und das elektromagnetische Feld der supraleitenden Magneten haben deine höheren Hirnfunktionen lahmgelegt. Ein Fehler im System. Hier das Video der Überwachungskamera …“, meinte Joanna und legte vor ihn, auf die Bettdecke, ein kleines Videopult, das die paar Minuten zeigte, die er in der Brennkammer verbracht hatte.
Ungläubig betrachtete er das Pult und sah sich selbst eine Hand durch das Energiefeld stecken, das die Brennerkammer vom ungeschützten und nahe dem absouten Nullpunkt kalten Weltall schützte. Er sah sich selbst, wie er verständnislos seine abgefrohrene Hand betrachtete, hörte seinen gellenden Schrei, sah sich zur Elektronenquelle taumeln und sich fast in einem hochenergetischen Betateilchen-Strahl auflösen. Entsetzt und fassungslos starrte er auf das Video, als ihm die Hilfskräfte in Schutzanzügen zur Hilfe kamen und er sich vor panischer Angst wehrte und sich loszureissen versuchte.
Und jetzt lag er da und realisierte, dass er sich, aufgrund eines Systemfehlers, fast selber getötet hätte. Sein Zustand war weiterhin kritisch und die Hand war verloren, die Augen waren trüb und ob sich die Haut regenerieren würde, war ungewiss. Er wollte jetzt nur noch seine Ruhe haben und schlief ein …
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